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Bildungsarbeit inmitten der Natur: Linda Merz leitet den städtischen Waldkindergarten


Seit kurzem ist die 25-jährige Erzieherin Leiterin des städtischen Waldkindergartens in Bad Dürrheim. Neu ist für sie nur die Leitungsaufgabe, denn in der Einrichtung arbeitet Linda Merz bereits seit fünf Jahren, gleich nach dem Anerkennungspraktikum in der städtischen Kleinkindbetreuung Stadtkäfer wechselte sie in den Waldkindergarten. Ihre Ausbildung hat sie in Königsfeld absolviert.

Die Bildungsarbeit im Waldkindergarten ist von der Nähe zur Natur geprägt, etwa wenn die Kinder Bucheckern sammeln, die dann gemahlen und geröstet werden. Das macht für Linda Merz auch das Besondere eines Waldkindergartens aus: die Kinder in der Natur aufwachsen zu sehen.

„Kinder sind neugierig, sie wollen alles erforschen und kennen viele Möglichkeiten, was man alles aus einem Stock machen kann“, erzählt sie. Die drei- bis sechsjährigen Kinder sind richtige Naturexperten, kennen Maus, Milan, Eichhörnchen und Schmetterling, bauen Kürbis, Kartoffeln, Bohnen, Lauch, Rote Beete, Johannesbeeren, Minze und Erdbeeren an.

20 Plätze hat der städtische Waldkindergarten und die sind immer voll belegt. Rund die Hälfte der Kinder kommt aus den Ortsteilen Hochemmingen, Öfingen, Oberbaldingen und Biesingen, die andere Hälfte aus der Kernstadt. Fünf Kinder wechselten im Sommer in die Grundschule, nächstes Jahr sind es sieben Kinder. Die reguläre Öffnungszeit ist von 8 bis 13 Uhr, die Eltern können aber auch 7.30 bis 13.30 Uhr wählen. Die Kinder werden an der Wendeplatte in der Hammerbühlstraße morgens in Empfang genommen. Dann wird erst einmal der Ofen angefeuert, wobei die Kinder – unter Aufsicht – das Feuer selbst entzünden. Selbst die Anzünder basteln sie selbst: Toilettenpapierrollen werden mit Sägemehl gefüllt und in Wachs getaucht.

Lind Merz - Leitung Waldkindergarten Bad Dürrheim

Im Wald gibt es zwar keine Gruppenzimmer wie in einem Kindergartengebäude, aber fünf Waldspielplätze mit so illustren Namen wie „Graben“, „Boot“, „Mäusebussard“ oder „Tausendfüßlerplatz“. Beliebt ist bei den Kindern der Garten mit den Hochbeeten, aber auch die Werkbank, die mit überzähligem Werkzeug aus den Elternhäusern bestückt wurde, von der Säge über das Schnitzmesser bis zum Hammer. Meisel und Schleifpapier sind im Moment besonders begehrt, eine Schreinerei hat Restholzstücke gespendet, die verarbeitet werden.

Die neue Überdachung, vom städtischen Bauhof angebracht, kommt sehr gelegen. „Die Kinder können draußen sitzen und müssen nicht gleich in die Hütte, wenn es beim Vespern mal regnet“, berichtet Linda Merz. Unterstützt wird sie von der bisherigen Leiterin der Einrichtung, Jutta Janasik, die als stellvertretende Leiterin weiter im Team ist, und von Martina Bürk. Einmal wöchentlich vertritt Stefanie Besch die Leiterin bei der Arbeit am Kind, wenn Linda Merz ihre Bürozeit hat. An zwei Tagen in der Woche leistet eine Auszubildende ihren praktischen Dienst im Kindergarten.

Die Bildungsarbeit beschränkt sich nicht auf das Leben in der Natur, sondern geschieht ganz nebenbei. Etwa, wenn ein Solarkocher in Betrieb genommen wird und die Kinder etwas über die Kraft der Sonne erfahren, die genutzt werden kann oder beim Vorlesen von Kinderbüchern.

Der Morgenkreis widmet sich immer die Wissensvermittlung, nach dem Vespern macht eine Erzieherin immer mit fünf bis sechs Kindern ein Bildungsangebot mit Basteln oder Forschen. Auch die Jahreszeiten sind ein wichtiges Thema. Linda Merz: „Wir schauen uns die Jahreszeiten nicht in Bilderbüchern an, sondern erleben sie“. Kein Wunder, dass da zum Beispiel auch der Klimawandel zur Sprache kommt.

Die älteren Kinder, die bald eingeschult werden, werden einmal wöchentlich besonders gefördert. Die „Schlaufüchse“ machen dann auch Schreib- und Schwungübungen. Dass die Waldkindergartenkinder auch einem normalen Schulbetrieb gewachsen sind, bestätigen Eltern und Lehrer. Anstatt mit Stiften üben sie ihre Feinmotorik im Umgang mit Blättern oder Ästchen.

Einmal monatlich kommen die Kooperationslehrerinnen aus den Grundschulen der Kernstadt Bad Dürrheim und der Ostbaarschule Oberbaldingen und arbeiten mit den Kindern.

Regen und Kälte sind, wie Linda Merz bestätigt, „weder für die Kinder noch für die Erzieherinnen ein Problem“. Auch wenn eine Woche lang Tiefsttemperaturen von minus 20 Grad, wie die neue Kindergartenleiterin es schon erlebte, eine Herausforderung sind.

Nur bei Orkan, Gewitter und starkem Sturm ziehen sich die Kinder und Erzieherinnen ins städtische Jugendhaus Bohrturm zurück, um nicht von umstürzenden Bäumen getroffen zu werden. Über die städtische App Crossiety werden die Eltern dann darüber informiert, dass die Kleinen an den Ausweichstandort zu bringen sind oder dort abgeholt werden.

Seit Gründung des Waldkindergartens schaffen die Eltern die Wasservorräte in Kanistern heran, jede Woche ist eine andere Familie dran. In diesem Jahr machten die Eltern sogar Holz. Einige von ihnen haben einen Motorsägeführerschein und ernteten im Stadtwald Brennholz, das später von ihnen auch zerkleinert wurde.

Nächstes Jahr feiert der städtische Waldkindergarten das 20-jährige Bestehen mit einem Tag der offenen Tür.

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Redakteur / Urheber
Stadtverwaltung Bad Dürrheim