Nachbarschaftshilfe in den Teilortsgemeinden

Für junge Familien, die unter der Dreifachbelastung Kinder, Berufstätigkeit und Unterstützung älterer Familienangehöriger leiden und für Familien, ältere Ehepaare und Alleinstehende ohne engeres familiäres Umfeld ist ein verlässliches Netzwerk gegenseitiger Hilfe eine wertvolle Erleichterung des Alltags und ein Mittel gegen Isolierungs- und Vereinsamungstendenzen. Auf dem Hintergrund fehlender Angebote für Waren des täglichen Bedarfs und Dienstleistungen vor Ort in den Teilortsgemeinden ist ein solches Netzwerk für viele geradezu notwendig.

Ziel organisierter Nachbarschaftshilfe ist es, familiäre Leistungen, Leistungen der Wohlfahrtsverbände, kommunale und staatliche Angebote, die zusammen nur einen Teil des Sorgebedarfs abdecken können, vor Ort zu ergänzen.

Um dem Anspruch der Nachbarschaftshilfe gerecht zu werden, muss der Hilfsbedarf vor Ort mit Hilfsangeboten vor Ort oder zwischen den Teilorten abgedeckt werden. So kann der allgemeinen Tendenz zur Zentralisierung, auch beim bürgerschaftlichen Engagement, entgegengewirkt und dringend benötigtes Ehrenamtspotential in den Teilorten gebunden werden.

Spontane Nachbarschaftshilfe kennen wir alle, sie ist die gegenseitigen Hilfe im Notfall. Organisierte Nachbarschaftshilfe, die eine stabile Säule in der dörflichen Daseinsvorsorge sein soll, funktioniert nicht dauerhaft ohne Gegenleistungsentwurf, das heißt: die Aufwandentschädigung für die Hilfeleistenden ist ein wichtiger Garant für Kontinuität.. Beim Hilfeempfangenden verhindert sie Dankesschulden und erlaubt, regelmäßigen Bedarf anzumelden und Alltagserledigungen anzufragen. Kurz, sie senkt die Hemmschwelle bei der Anforderung von Hilfe. Auf der anderen Seite entstehen so flexible Zuverdienstmöglichkeiten vor Ort.

Nach Überprüfung unterschiedlicher Konzepte der organisierten Nachbarschaftshilfe begeistern wir uns immer mehr für den seit 2003 arbeitenden Nachbarschaftshilfeverein „Hilfe von Haus zu Haus“ auf der Bodenseehalbinsel Höri. Nach diesem Muster gibt es inzwischen rund 50 Vereine in Baden-Württemberg, die in ca. 200 Gemeinden die Nachbarschaftshilfe organisieren. Was in 200 Gemeinden in Baden Württemberg möglich ist, muss auch in den Teilortsgemeinden von Bad Dürrheim funktionieren, so unsere feste Überzeugung!

„Wir beantworten mit unserer Arbeit auch die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen: in einer fürsorglichen Gemeinschaft oder als vereinsamte Einzelkämpfer.“ So Maria Hensler, Gründerin des Nachbarschaftshilfevereins „Hilfe von Haus zu Haus“.